Elterntagung im Rahmen der Gesamtschweizerischen Weiterbildungstage – Eindrücke einer Schulmutter

Der Treppenaufgang im Goetheanum in Dornach bei Basel

Treppenaufgang im Goetheanum

Eltern erleben Schule anders – Ein Tag voller Inspiration

Wie fühlt es sich an, Schule einmal aus der Eltern-Perspektive zu erleben? Auf der Elterntagung am Goetheanum tauchten Eltern in Workshops zu Formenzeichnen, Eurythmie und Beziehungsbildung ein – und spürten, wie Lernen, Bewegung und Vertrauen zusammenwirken. Ein Tag voller Begegnungen, neuer Ideen und wertvoller Impulse für zu Hause und in der Schule.

Am 17. Januar 2026 nahm ich zum ersten Mal an der Elterntagung im Rahmen der Gesamtschweizerischen Weiterbildungstage am Goetheanum teil. Schon beim Ankommen war spürbar: Dieser Tag stand ganz im Zeichen des Austauschs und des gemeinsamen Nachdenkens über Schule. Das Leitthema „Vertrauen bilden – gemeinsam Schule gestalten“ zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm.

Als Mutter empfand ich es als besonders wertvoll, Schule einmal ausserhalb des eigenen Alltags zu erleben und mit anderen Eltern sowie Lehrpersonen aus ganz unterschiedlichen Schulen ins Gespräch zu kommen. In den Workshops am Vormittag wurden vielfältige pädagogische Themen aufgegriffen – von Beziehungs- und Sexualpädagogik über aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz bis hin zu kreativen und gestalterischen Lernformen.

Besonders intensiv habe ich den Workshop zum Formenzeichnen erlebt, an dem ich aktiv teilgenommen habe. Der Arbeitsgruppenleiter, ein bereits pensionierter, passionierter Klassenlehrer, führte uns Eltern behutsam in dieses Thema ein und machte deutlich, dass es dazu nur wenig Literatur gibt und sich auch Rudolf Steiner selbst nur zurückhaltend dazu geäussert hat. Umso mehr wurde spürbar, dass sich Formenzeichnen weniger über theoretisches Wissen erschliesst, sondern vor allem über das eigene Erleben und Tun. Durch eigenes Zeichnen und praktisches Arbeiten eröffnete sich nach und nach ein Verständnis dafür, was Formenzeichnen im Kind anregen und bilden kann. Besonders hilfreich war dabei die Führung durch die verschiedenen Klassenstufen, in der aufgezeigt wurde, welche Formen jeweils erarbeitet werden und wie sich diese altersgemäss entwickeln. Eine der Formen, mit der wir uns beschäftigten, war die Acht, die wir selbst zeichnend erkundeten. Diese praktische Erfahrung hat mir als Mutter einen lebendigen und gut nachvollziehbaren Zugang zu diesem Unterrichtsbereich ermöglicht.

Der gemeinsame Vortrag am späten Vormittag griff Fragen rund um Ängste, Vertrauen und Zutrauen auf und bot viele Denkanstösse, die sowohl für die Schule als auch für das Familienleben bedeutsam sind. Besonders wertvoll war für mich, wie diese Themen im Laufe des Tages immer wieder in Gesprächen mit anderen Eltern aufgegriffen und vertieft wurden.

Am Nachmittag stand die Beziehungsgestaltung weiter im Mittelpunkt. In der Vertiefung zur Beziehungs- und sexuellen Bildung wurde deutlich, wie wichtig eine bewusste, altersgemässe Begleitung der Kinder und Jugendlichen ist.

In der anschliessenden praktischen Einheit zur Eurythmie konnte ich selbst erleben, wie eng Bewegung, Wahrnehmung, Ausdruck und inneres Erleben miteinander verbunden sind. Besonders eindrücklich war für mich, dass wir am Nachmittag in der Eurythmie – gewissermassen in einer Weiterführung der Arbeit vom Vormittag – erlebten wir Eltern, wie Sprache und Körper im Zusammenspiel wirken. Dank der Anleitung der Lehrerin entdeckten wir die Eurythmie und machten Raumformen sichtbar – unter anderem die geometrische Form der Acht, die wir gemeinsam im Raum ‚tanzten‘.“

Was wir zuvor zeichnend auf dem Papier erkundet hatten, wurde nun mit dem ganzen Körper erlebt: als Raumform, als Bewegung, als Koordination. Dabei wurde spürbar, wie Eurythmie Körperbewusstsein und Orientierung fördert und wie aus Bewegung eine sichtbare, künstlerische Form entsteht.

Am Ende des Tages ging ich mit vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Gedanken nach Hause – vor allem aber mit dem Gefühl, dass Eltern in diesem Rahmen als wichtiger Teil der Schulgemeinschaft wahrgenommen werden. Für mich war diese erste Teilnahme an der Elterntagung eine sehr ermutigende Erfahrung, die Vertrauen gestärkt und den Wunsch geweckt hat, Schule weiterhin aktiv mitzugestalten.

www.steinerschule-luzern.ch

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Weiterbildungstagung 2025 in Dornach – Vertrauen bilden, gemeinsam Schule gestalten