Weiterbildungstagung 2025 in Dornach – Vertrauen bilden, gemeinsam Schule gestalten
Goetheanum in Dornach
Unter dem Motto „Vertrauen bilden – gemeinsam Schule gestalten“ tauschten sich Lehrpersonen aus der ganzen Schweiz über praxisnahe Medienpädagogik und den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht aus. Spannende Arbeitsgruppen, inspirierende Vorträge und lebendige Gespräche machten die Tagung zu einem wertvollen Impulsgeber für Schule und Unterricht.
Wie jedes Jahr war ich mit grosser Vorfreude auf die Weiterbildungstagung „WBT“ in Dornach gespannt. Dieses Mal stand sie unter dem verbindenden Motto: „Vertrauen bilden – gemeinsam Schule gestalten“. Was für ein wichtiges Leitmotiv – gerade in einer Zeit, die von gesellschaftlicher, sozialer, politischer und auch wirtschaftlicher Fragmentierung und Spaltung geprägt ist.
Die WBT ist für mich nicht nur eine wunderbare Gelegenheit, mich mit Menschen aus anderen Landesteilen und von anderen Schulen auszutauschen oder neue Bekanntschaften zu knüpfen. Jedes Mal nehme ich auch Wertvolles aus den Arbeitsgruppen und Vorträgen mit, das mich im Schulalltag weiter begleitet und bereichert.
Dieses Jahr durfte ich die WBT erstmals aus einer anderen Perspektive erleben – als Arbeitsgruppenleiter. Die schweizerische Mediengruppe* lancierte zwei Arbeitsgruppen: eine zum Thema „Angewandte Medienpädagogik“ und eine weitere zum Thema „Künstliche Intelligenz an der Schule“.
In der Arbeitsgruppe „Angewandte Medienpädagogik“ ging es darum, Lehrpersonen Ideen und praktische Instrumente an die Hand zu geben, wie Medienpädagogik und Informatik fachübergreifend gelebt werden können – mit Bildschirmgeräten ab der 7. Klasse, aber vor allem auch bildschirmfrei in der Mittelstufe. Es wurde mit Karten, Kugeln und Figuren gespielt, getüftelt und sogar die eine oder andere Zeile Code in der Programmiersprache Python geschrieben. Ein spielerischer und niederschwelliger Einstieg in eine Welt also, die von vielen noch immer als fremd und kompliziert empfunden wird – ganz zu Unrecht.
In der KI-Arbeitsgruppe ging es zunächst darum, ein Grundverständnis dafür zu entwickeln, was da eigentlich „unter der Motorhaube“ arbeitet. Was heisst überhaupt „Intelligenz“, bezogen auf den Menschen wie auch auf die Maschine? Was sind – neben den Gefahren – die nutzbringenden Seiten der KI? Wir haben mit ihrer Einführung gewissermassen die Büchse der Pandora geöffnet – wie gehen wir nun damit um, besonders auch im Schulalltag, etwa im Zusammenhang mit Hausaufgaben?
Ganz praktisch konnten sich die Teilnehmenden an drei leistungsfähigen Rechnern mit einer lokalen KI (ja, so etwas gibt es tatsächlich!) auseinandersetzen – also mit Systemen,
bei denen keine Daten an Konzerne gesendet werden und wo man auch einmal gewagtere Fragen stellen und die Qualität der Antworten vergleichen kann. Das ausgesprochen rege Interesse sowie die Vielzahl und Tiefe der Fragen zeigten deutlich: Wir stehen hier erst ganz am Anfang einer notwendigen und intensiven Auseinandersetzung.
Das gemeinsame Abendessen im Speisehaus empfand ich als sehr belebend. Zwar war man auf ziemlich engem Raum beisammen – anders als in vergangenen Jahren im Saal der Schreinerei –, doch gerade dadurch entstand eine umso persönlichere und gemütlichere Atmosphäre.
Anschliessend ging es weiter mit dem Abendvortrag im grossen Saal des Goetheanum zum Thema: „Digitale Medien: Was heisst hier ‹Kompetenz›?“. Dr. med. Severin Pöchtrager (Klinik Arlesheim) und Dr. Ilja Karenovics (Universität Basel) berichteten über zahlreiche Erkenntnisse und Studien zur Wirkung digitaler (Bildschirm-)Medien auf unsere Kinder. Sie betonten noch einmal den zentralen Punkt, dass reine Medienkompetenz nicht ausreicht, sondern dass wir durch Erziehung und Unterricht die Kinder zur Medienmündigkeit führen sollten – wie dies schon vor Jahren von Prof. Dr. Paula Bleckmann gefordert wurde. Der Vortrag zeichnete ein insgesamt sehr klares und abgerundetes Bild des aktuellen Zustands; was mir persönlich ein wenig fehlte, waren konkretere Aussagen dazu, was wir heute bereits tun – oder noch tun könnten –, um dieses Ziel besser zu erreichen.
Am Samstag fand – teils gemeinsam, teils ergänzend – die Elterntagung statt. So konnten interessierte Eltern auch am zweiten Teil ausgewählter Arbeitsgruppen teilnehmen und eine zusätzliche, wertvolle Perspektive einbringen.
Eine grossartige Sache, diese WBT! Facettenreich, zukunftsgerichtet und vor allem hervorragend organisiert. DANKE!
* Die schweizerische Mediengruppe ist eine aus dem Medienpädagogik-Modul der AfaP (Akademie für anthroposophische Pädagogik) hervorgegangene und seit 2024 bestehende Expertengruppe (derzeit vier Personen, inklusive mir). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die medienpädagogischen und ICT-Inhalte des Lehrplans auf eine menschenkundlich sinnvoll eingebettete Weise an den Schulen voranzubringen, die Elternarbeit in diesem Bereich zu pflegen sowie Lehrkräfte im Medien- und ICT-Bereich weiterzubilden. Die Gruppe arbeitet teils selbstständig und teils mit Mandat der ARGE.
Rückblick eines Dozenten auf die Weiterbildungstage ( Henrik Sutter, Klassenlehrer 9. Klasse)