REGION, 10.03.2007

"Wir sehen nur mit dem Herzen wirklich gut"

LITTAU - Die Kindertagesstätte "Chlyne Prinz" der Rudolf Steiner Schule betreut seit rund einem Jahr Kinder, deren Eltern berufstätig und auf familienergänzende Kinderbetreuung angewiesen sind. Es ist eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Planung. (az)

Seit rund einem Jahr gibt es in Littau die Kindertagesstätte "Chlyne Prinz" der Rudolf Steiner Schule. "Mit dem Aufbau der Krippe wollen wir den Bedürfnissen heutiger Eltern entsprechen", meint Beat Vogel, der im Vorstand des Schulvereins der Steiner Schule tätig ist und die Steuergruppe der Tagesstätte leitet. Selbst ist er Vater dreier Kinder, die die Steiner Schule besuchten und nun aufs staatliche Gymnasium gehen. "Ich bin von der Pädagogik Steiners beeindruckt", so Vogel. "Sie ist modern und kümmert sich um das eigentliche Wesen der Menschen".

Zurück zur Natur
In der Erziehungskunst Steiners wird das Erleben der Natur und insbesondere der Jahreszeiten gross geschrieben. So soll das Kind seine Wahrnehmung und die kognitiven Fähigkeiten entwickeln. Auch in der Kindertagesstätte wird auf rhythmische Tages-, Wochen-, und Jahresabläufe geachtet. "Das gibt dem Kind Orientierung und vermittelt Sicherheit", meint Tamina Hofer, pädagogische Gruppenleiterin der Tagesstätte "Chlyne Prinz". Auch die gelernte Kleinkinderzieherin besuchte einst die Steiner Schule in Littau. "Für mich war das genau das Richtige", sagt sie.

Arbeit nach dem Familiensystem
Die Kindertagesstätte bietet Kindern von eins bis sieben Jahren Platz. Das heisst, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen gemeinsam betreut werden. Laut Hofer ist es kein Problem, dem gerecht zu werden: "In der Krippe wird nach dem Familiensystem gearbeitet. So können die Kinder voneinander lernen. Die Jüngeren haben Vorbilder und die Älteren lernen, Rücksicht auf die Kleinen zu nehmen."

Man sieht nur mit dem Herzen gut
Der Name "Chlyne Prinz" steht für die Qualitäten und Werte, von denen sich die Kindertagesstätte leiten lässt. In der bekannten Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry lernt der kleine Prinz, dass man nur mit dem Herzen wirklich sehen kann und wahre Freundschaft und Liebe das Wichtigste in der Welt ist. Genau so hat man in der Krippe Respekt vor der Einzigartigkeit jedes Kindes und schenkt den Herzensqualitäten besondere Beachtung. Sorgfältig und liebevoll werden die Kinder von zwei Fachpersonen und einer Praktikantin betreut.

Eltern sind begeistert
"Die Suche nach einer geeigneten Kindertagesstätte war schwierig. Vielerorts wirkte das Betreuungspersonal gestresst. Oft herrschte ein grosses Durcheinander an Spielen und es ging sehr hektisch zu und her. Diese Reizüberflutung wollten wir unserem Kind nicht zumuten", erzählt Ralf Drescher, Vater des 2-jährigen Elias, der seit einem halben Jahr jeweils eineinhalb Tage in der Woche im "Chlyne Prinz" verbringt. Tatsächlich fällt einem beim Betreten der Krippe die Ruhe und die Sorgfalt auf, in der die Kinder zusammen spielen. Es ist eine Umgebung, in der man sich sofort wohl fühlt. Die Räume sind in warmen Farben gestaltet und strahlen zusammen mit den vorwiegend hölzernen Spielsachen eine gewisse Natürlichkeit aus. "Als wir die Krippe sahen, waren wir sofort begeistert", sagt Drescher. Ob sie Elias später auch in die Steiner Schule schicken werden, wissen sie allerdings noch nicht - dafür sei es noch zu früh. "Der Beruf war nicht der Hauptgrund, weshalb wir uns entschieden, unser Kind in eine Krippe zu geben", meint Drescher. Er und seine Frau arbeiten beide im Kantonsspital Luzern in der Krankenpflege. Da sie schichtweise arbeiten, könnten sie es sich einrichten, dass immer jemand zu Hause wäre. "Uns geht es vor allem um die sozialen Kontakte, die ein Kind in der Krippe knüpfen kann. Als Einzelkind lernt Elias den Umgang mit anderen Kindern zu Hause nicht." "Aber natürlich ist die familienergänzende Kinderbetreuung auch eine grosse Entlastung für uns", fügt er hinzu.

Zusammenarbeit mit der Gemeinde geplant
Noch ein Jahr lang kann die Kindertagesstätte von der Anstossfinanzierung des Bundes profitieren. Ein definitiver Finanzierungsplan für die Zeit danach existiert bis jetzt noch nicht. "Es wird nach einer Lösung gesucht. Bis jetzt decken Bundesbeiträge und Spenden unsere Kosten. Da sich die meisten Eltern keine Krippe leisten können, ist die Unterstützung der Gemeinde gefragt", meint Vogel. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Littau sei bereits in Planung. Ideal wäre ein Tarif, der nach steuerbarem Einkommen festgelegt wird. Den kostendeckenden Restbetrag soll die Gemeinde aufbringen. Die Stadt Luzern hat bereits heute ein Vorbildliches Finanzierungsprogramm, welches ab 2010 auch für die Kindertagesstätte "Chlyne Prinz" gelten wird. Bis dahin bemüht sich der Verein LuzernPlus mit dem Projekt "Agglo-Kids", die Gemeinden dazu anzuregen, bei der Finanzierung mitzuhelfen, so dass die Krippenplätze für Eltern bezahlbar werden.

Noch freie Plätze
Es gibt immer noch einige freie Plätze im "Chlyne Prinz". Interessierte Eltern können sich unter www.steinerschule-luzern.ch oder Telefon 041 250 71 31 informieren.

Bildlegende: Tamina Hofer beim Spielen mit zwei ihrer Schützlinge.

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